Hört ihr das Brummen der Motoren und das genervte Gehupe? …das ist der Rezensionstau, der sich langsam, stinkend und genervt durch meinen Blog schiebt. Tuut, tuut, motherfucker!

Ich habe zwar dank extensiver Auto- und Zugreisen in der letzten Zeit einen ganzen Haufen Bücher gelesen, aber quasi null Zeit gehabt um tatsächlich mal über besagte Bücher zu schreiben. On top habe ich mir gestern auch noch so solide in die rechte Grabbel geschnitten, dass ich von einem sehr charmanten Arzt wieder zusammengeflickt werden musste. Leiden für die Literatur und so, geschrieben wird trotzdem. Außerdem gab es dann noch den einen oder anderen Zwischenfall, wegen dem ich mich gezwungen sah meinen Blog ein paar Wochen ruhen zu lassen. Ruhe ist langweilig, deswegen: mehr Bücherparties für die Welt!

Den Anfang macht aber dieses Mal ein Non-Fiction Buch, welches da das Arbeitsbuch für Schriftsteller von Tanja Hanika ist. As usual, erstmal der Klappentext:

“Das „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ ist selbst auszufüllen und umfasst alle wichtigen Phasen eines Romanprojekts, von der Figurenerstellung über die Plotstruktur bis hin zum Marketing. Durch Leitfäden, Checklisten und Planungsmodelle werden Sie beim Schreiben unterstützt. Darüber hinaus enthält es Definitionen und Informationsseiten wie beispielsweise zur Erzählperspektive, der Prämisse oder zum Exposé. Autorin Tanja Hanika entwickelte das „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ zur Unterstützung des Schreibprozesses auf der Grundlage ihres erfolgreichen Germanistikstudiums an der Universität Trier und anhand eigener, langjähriger Schreiberfahrungen. Planen auch Sie mühelos ihr nächstes Romanprojekt anhand vorgegebener Musterblätter.”

Ich gebe sofort zu: Ich bin ein furchtbar chaotischer Mensch. Ich verschlampe Termine, bringe alles durcheinander und – wunder oh wunder – beim Schreiben habe ich nicht die Geduld erst zwei Wochen zu plotten bevor ich anfange. Wenn ich etwas in meinem Kopf habe, dann muss ich es verbal sofort auf (virtuelles) Papier kotzen, sonst ist es weg bevor ich überhaupt “Um Logikfehler zu vermeiden sollte ich plotten!” sagen kann.
Entsprechend meiner turbulenten Charakterveranlagung bin ich ein ganz großer Fan von allem, was mir die Illusion von Produktivität vorgaukelt. Dazu gehören Organizer, Notizbücher, Kalender, Apps, Schreibkrempel, Character Sheets und all die Dinge, die ich sonst noch so unbenutzt herumstehen hab. Isso.Gründe, warum Listen cool sind.jpg

Tanja Hanika’s Arbeitsbuch gehört für mich genau zu solchen produktivitätsillusionserzeugenden Tools – daher war ich sofort Feuer und Flamme, als ich davon hörte.

Es gibt verschiedene Work Sheets zu verschiedenen Aspekten, welche Alles von Character Building bis Marketing abdecken. Ich gebe zu, ich habe mich ein bisschen wie in der Schule gefühlt – nur wünsche, ich hätte damals auch schon in der Schule solche Work Sheets bearbeiten müssen. Sehr cool fand ich die Figurenübersicht; ich bin echt mies darin zu behalten welcher Charakter wann was erlebt hat oder woher er kommt. Das sind immer meine liebsten Logiklöcher, hach. Schön finde ich auch, dass man auf dem Cover mit einem Permanent Marker o.Ä. den Titel des aktuellen Projekts eintragen kann; das ist sicherlich hilfreich, falls man mehrere Arbeitsbücher für mehrere Projekte hat (ich hatte allerdings zu viel Hemmung auf dem Cover rumzukritzeln).

Ein bisschen doof fand ich, dass ca. 20 der 70 Seiten Marketingstrategien und Raum für eigene Notizen abgedeckt haben. Ich bin mir sicher, dass insbesondere der Teil zum Marketing zwar hilfreich ist, ich habe das Buch aber fast ausschließlich in der Anfangsphase des Projekts benutzt – und da mag ich mir um so ein Klimbim noch keinen Kopf machen. Eins nach dem Anderen, und so.

Kernfrage: Hat mir das Buch geholfen? Definitiv ja. Hat es mir so viel geholfen, wie ich gehofft habe? Definitiv nein.
Das Buch war hilfreich um einige Aspekte meines Krimskramskopfes zu sortieren und zu überdenken. Insbesondere zur ersten Materialisierung einer Idee eignet sich das Buch meiner Meinung nach sehr gut.eport
Trotzdem denke ich, dass das Buch eher für Schreibanfänger geeignet ist. Es bietet dosierte Theoriebrocken, die sicherlich nützlich sein können und überfordert mit seinen schmalen 74 Seiten auch niemanden. Fortgeschrittene Schreiberlinge könnten hier unter Umstände etwas Substanz vermissen.
Ich sehe insbesondere auch die Gefahr, dass man sich beim Schreiben zu sehr einschränkt durch das fröhliche los-strukturieren im Buch, aber das ist sicherlich wieder nur mein panisch-brüllender Wirrkopf.

Für Schreibanfänger sei dieses Buch sehr zu empfehlen und auch der eine oder andere fortgeschrittene Schreibi wird sicherlich seinen Spaß (und vielleicht auch die eine oder andere Epiphanie) mit diesem Buch haben. Was man allerdings nicht erwarten darf ist eine Step-by-Step Anleitung als Ausgleich der eigenen Unzulänglichkeiten – Schreiben muss man schon selbst.

Von mir gibt es solide vier von fünf anatomisch korrekten Herzen für Tanja Hanikas Arbeitsbuch!Design ohne Titel


Das Arbeitsbuch für Schriftsteller auf Amazon

Die Autorin auf Twitter

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