Mein Hirn ist aktuell im Urlaub, das lässt sich nicht abstreiten. Die zweifelhafte Investition heute von sechs Euro in eine gigantische Melone sind dafür nur symptomatisch – ich bin fest davon überzeugt das jede einzelne meiner Synapsen sich gerade wonnevoll irgendwo auf den Bahamas im Sand rollt. Während meine Synapsen Club Med bevölkern, habe ich mich dementsprechend die letzte Woche arg mit Kurzgeschichten beschäftigt; das passt gerade noch so in meine aktuelle Aufmerksamkeitsspanne.
Diese Woche war bereits “Der Traum vom Fliegen” dran – verschwiegen habe ich lediglich, dass ich schon eine ganze Weile einen Haufen anderer Kurzgeschichten mit mir herumlese, welche dort “Ins Ungewisse” von Sven Hensel wären. Die Review habe ich eine Weile vor mir hergeschoben; hauptsächlich, weil ich mir dafür Zeit nehmen wollte, aber auch, weil ich auf mein neues Lichtzelt gewartet habe. Primär habe ich “Ins Ungewisse” nämlich wegen dem Cover ausgesucht. Ich habe eine große Schwäche für schöne Cover und gleich noch mehr für schöne, minimalistische Cover – daher musste “Ins Ungewisse” heute erstmal Modell stehen.
Ers5.jpgtmal, as usual, den Klappentext:

“Diese Sammlung wird Sie ins Ungewisse entführen! Es warten 12 völlig unterschiedliche Erzählungen auf Sie, die Ihnen manchmal die Wut in den Bauch, andere Male die Tränen in die Augen treiben werden. An einigen Stellen wird man Sie ein wenig herausfordern und kurz darauf bestens unterhalten. Oftmals auch beides gleichzeitig. Diese Sammlung ist angereichert mit wichtigen, realistischen Themen und dem Wunsch, Ihr Bewusstsein für die Welt zu schärfen. Die Geschichten sind dabei mindestens so variabel und echt, wie es das Leben selbst ist.”

Kurzgeschichten sind immer eine Sache. Es gibt Werke, wie das oben erwähnte “Der Traum vom Fliegen”, welche fast 50 Seiten umspannen und sich ausbreiten – das lässt Raum für Entwicklungen, Beschreibungen und Atmosphäre. Hensel ist in seinem Wer2.jpgk allerdings einen anderen Weg gegangen, für den ich viel Respekt habe – viele der Geschichten sind eher Flash Fiction als Kurzgeschichten, auf nur wenigen Seiten solide erzählt. Trotzdem schafft Hensel es fast immer, atmosphärisch und ohne Abstriche zu schreiben. Hin und wieder habe ich etwas Dimension vermisst, zum Beispiel Stille Starre. Das Thema Depression wurde zwar aufgegriffen und behandelt, jedoch fand ich persönlich, dass das Flash Fiction Format dem Thema hier nur bedingt gerecht werden konnte.
Ganz anders dafür Der kleine Tambourmajor (zu lesen hier) – hier hat Hensel es geschafft, einen bleibenden Eindruck auf weniger als 2000 Wörtern unterzubringen, welcher, zumindest bei mir, definitiv ein beklemmendes Gefühl in der Magengrube hinterlassen hat.

Ich möchte nicht näher auf die einzelnen Geschichten eingehen, da ich der einen oder anderen eventuell nochmal einen eigenen Post widmen möchte, daher gibt es von mir hauptsächlich einen Gesamteindruck zu diesem Werk.
Ich bin ziemlich panisch an dieses Buch herangegangen – zum Einen, weil ich den Autor recht gut kenne (und ich ja schon mehrfach elaboriert habe, wie schrecklich es ist Bücher für Bekannte zu rezensieren), zum Anderen, weil ich so viele furchtbare Kurzgeschichten in meinem Leben gesehen habe. Dazu kommt noch, dass ich selbst gerne Flash Fiction schreibe (zum Beispiel hier und hier) und ein bisschen Angst hatte, dass ich danach anfangen würde mich und meine schreiberische Leistung mit dem guten Herrn Hensel zu vergleichen.

Spoiler Alert: Keine meine Ängste hat sich bewahrheitet.
Hensel schreibt großartig – stilistisch sicher, klar, meistens nicht vorhersehrbar. Er erzählt Gesc4.jpghichten, die man lieber nicht erzählt bekommen hätte und lässt einen dann alleine zurück, um darüber nachzudenken. Das ist bisweilen ziemlich unbequem – weshalb ich das Buch auch das eine oder andere Mal aus der Hand gelegt habe um erst am nächsten Morgen weiterzulesen.
Trotzdem kann ich jedem ans Herz legen Hensels Kurzgeschichten eine Chance zu geben.

Was ich tun werde: Definitiv mehr von Hensel lesen.
Was ich nicht tun werde: Der kleine Tambourmajor nochmal lesen. Muss nicht sein. Echt nicht. Danach ging es mir ein bisschen schlecht.

Mein Fazit: Absolut lesenswert! Hensel gehört für mich in die selbe Kategorie wie Nina C. Hasse – unterschätzte Self Publisher. Die beiden retten den literarischen Ruf der Selbstverlegerszene durch und durch mit soliden, Maßstäbe setzenden Werken.
Hensel beweist Mal um Mal sein Können. Er schreibt feinfühlig und brutal, subtil und ins Gesicht schlagend.
Ich bin gespannt, was der Autor noch von sich hören lässt und würde mich sehr über eine full length novel freuen!

Sven Hensel auf Twitter
“Ins Ungewisse” auf Amazon

 

3 thoughts on “Rezension: Ins Ungewisse von Sven Hensel

  1. Eine wirklich tolle Rezension! Ich selbst lese nur selten Kurzgeschichten, aber komme immer mehr auf den Geschmack. Das klingt nach einem wirklich tollen Buch und ich bin gespannt, welche Geschichten es beinhaltet! Freue mich schon auf deine separaten Post’s dazu!
    Wünsche dir einen tollen Tag!

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    1. Ach, du bist ja eine Süße! Vielen Dank!
      Ich muss auch sagen, dass ich mich mit Kurzgeschichten häufig schwer tue – mir fehlt einfach das “in die Geschichte eintauchen”, dass einen über Tage bei einem Buch normaler Länge begleitet. Trotzdem, “Ins Ungewisse” hat mir wirklich gefallen!
      Einen sonnigen Tag für dich!

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